Wirkung, Ablauf und Anwendungsbereiche
Hypnose
Der Begriff Hypnose bezeichnet zweierlei: ein therapeutisches Verfahren (der Therapeut arbeitet mit Hypnose) und einen Bewusstseinszustand (der Hypnotisand befindet sich in Hypnose). Als Therapieverfahren wird Hypnose erfolgreich in der Psychotherapie, der psychosomatischen Medizin und der Medizin eingesetzt.
Hypnose und Trance
Hypnose arbeitet mit Trance: eine Trance ist ein veränderter Bewusstseinszustand mit einer fokussierten Aufmerksamkeit, reduziertem peripheren Gewahrsam und erhöhter Fähigkeit, auf Suggestionen zu reagieren. Dadurch entsteht eine veränderte Form von Erleben. Eine Trance zeichnet sich aus durch verlangsamte Atmung, entspanntes Gesicht, Gesicht entspannt, Augenbewegungen, Lidflattern, verlangsamte Reaktionen, verminderter Schluckreflex, an dem inneren Erleben entsprechende Körperspannung und eine angepasste Balance im Vegetativum.
Mit Hilfe von Hypnose kann das Erleben gestaltet werden, indem im Setting einer wertschätzenden, achtungsvollen und Sicherheit gebenden Kommunikation („Resonanz“) mit Hilfe eines Hypnoserituals zur Fokussierung die stark fokussierte Aufmerksamkeit durch passende Suggestionen gelenkt wird
– zur Abwendung von der Peripherie (Körper/ räumliche Umwelt)
– zur Hinwendung zur Innenwelt,
– zur Hinwendung zu positiven Erfahrungen von Ruhe und Sicherheit
So entsteht eine unwillkürliche völlige Absorption von diesem inneren Erleben (= Trance).
Suggestionen in der Hypnose
Suggestionen unterstützen diese Gestaltung von Erleben im Sinne von Vorschlägen. Suggestionen werden in der **Hypnose** besonders wirksam, wenn sie in ihren Formulierungen angepasst sind an die Sprache, individuelle Vorerfahrungen sowie die Motivation und Ziele des Hypnotisanden und möglichst viele Sinneskanäle ansprechen (VAKOG). Suggestionen wirken auf unbewusstes Denken, also implizites Gedächtnis und assoziative Netzwerke, die auch beim Träumen, bei automatischen Abläufen im Körper, Emotionen wirksam sind. Die Worte berühren nur die Spitze des Eisbergs, assoziative Netze entwickeln dann die Suggestionen und deren Wirkung weiter.
Geschichte der Hypnose
Die Hypnose hat eine lange Tradition als Heilverfahren. Im 19.Jahrhundert erhielt die Hypnose eine besondere Bedeutung unter dem Begriff des „Mesmerisierens“, später in der Schule von Nancy und durch die Demonstrationen des Arztes Charcot in Paris.
Die moderne Hypnose/ Hypnotherapie wurde begründet vom amerikanischen Psychiater Milton Erickson (1901-1980), der davon ausging, dass jeder Mensch seine persönliche Antwort auf jegliche Art von Herausforderungen in sich trägt. Das Unbewusste wird dabei als weise, wohlwollende, wissende Instanz innerhalb einer Person verstanden, das alle psychischen und physischen Fähigkeiten (d.h. alle Ressourcen) enthält, die dem bewussten Denken nicht zugänglich sind. Die Probleme/ Symptome entstehen auf der unbewussten Ebene. Die Hypnose / Trance ermöglicht dann den Kontakt zum Unbewussten – so kann die Therapie auf dieser Ebene wirksam werden. Die moderne Hypnotherapie im Sinne von Milton Erickson arbeitet nicht mit direktiven Suggestionen, sondern mit inneren Bildern, Metaphern und Geschichten, die kooperativ mit dem Klienten gestaltet werden und in der Hypnose eine hilfreiche Wirkung auf den Organismus entfalten. So gelingt es den Klienten, von der „Problemtrance“ in eine „Lösungstrance“ zu gelangen, sie aktivieren ihre inneren Ressourcen und können ihr Problem effektiv und nachhaltig lösen.
Medizinische Hypnose
Bei vielen Krankheiten und Beschwerden unterstützt die **Hypnose** die Mobilisierung von Selbstheilungskräften. Die darmfokussierte Hypnose, die sogenannte „Bauchhypnose“, stellt eine der effektivsten Methoden dar zur Behandlung des Reizdarmsyndrom dar. Hypnose kann unterstützend eingesetzt werden, um die Nebenwirkungen von Medikamenten oder Chemotherapie zu lindern sowie zur Schmerzreduktion bei oder nach körperlichen Eingriffen.
Die Klienten erhalten eine Anleitung zur Selbsthypnose, sodass sie daheim oder in „kritischen“ Situationen die wohltuenden Effekte der Trance selbst erzeugen können. Mit Hilfe von Audio-Dateien kann die Selbsthypnose zuhause ganz einfach selbständig durchgeführt und eingeübt werden.
Kinder und Jugendliche haben eine natürliche Trance-Fähigkeit: Im Spiel oder in Tagträumen versinken sie in ihre eigene Welt. Diese Erfahrungen können in der Therapie genutzt werden, um hilfreiches inneres Erleben zu aktivieren.
Für die Wirksamkeit von Hypnose gibt es wissenschaftliche Evidenz, z.B. durch Studien, u.a. „Umbrella-Review“ (Rosendahl et al 2024), die Zusammenfassung eines Cochrane-Reviews (Wieland 2019) sowie durch moderne bildgebende Verfahren (EEG/ PET/fMRT)
Seriöse Informationen zu den Anwendungsmöglichkeiten der Hypnose erhalten Sie auf der Website der deutschsprachigen Hypnosegesellschaften: www.hypnose.de
